In den Cafés von Tokio, Seoul und Taipeh spielt sich etwas ab, das nichts mit Hunger zu tun hat. Es geht um das Bedürfnis nach Bestätigung. Die angesagtesten Desserts der Stunde sind nicht mehr „Wow, das ist lecker!“, sondern „Wow, das ist weich!“. Sie fühlen sich an wie Kissen, wackeln bei Berührung, sind matschig wie Schleim und werden fast mehr mit den Augen (und Ohren) als mit dem Mund genossen.
Das sind die sogenannten Wolkendesserts : Desserts, bei denen es nicht um extremen Geschmack, sondern um ein besonderes Geschmackserlebnis geht. Flauschige Pfannkuchen so hoch wie Türme, Käsekuchen, die wie Wackelpudding vibrieren, Mochi, die wie lebendige Marshmallows aussehen, und Sahnebrötchen, die beim ersten Bissen wie frisch ausgepackte IKEA-Kissen zusammenfallen.
Und dann sind da noch sie: die berühmten Jelly Cats . Kleine, durchsichtige, wackelnde Leckereien mit Comicgesichtern – sie sehen aus, als wären sie direkt einem Studio-Ghibli-Traum nach drei Bubble Teas entsprungen. Man berührt sie, und sie wackeln. Man beißt hinein, und … sie verschwinden. Sie sind zu einem Symbol geworden: Man kauft nicht einfach nur ein Dessert, sondern ein Erlebnis.
Japanische Flauschkugeln, koreanische Türme und taiwanesische Mochi: die neue Geografie des Komforts
Japan revolutionierte die Welt des Käsekuchen-Soufflés : hoch, federleicht, fast ungreifbar. Es ist kein Käsekuchen, sondern eine Käsewolke, die vibriert, sobald man sie auf den Tisch stellt.
Korea antwortete mit riesigen Pfannkuchen : Teige, die wie Mousse aufgeschlagen, in tiefen Formen gebacken und wie kleine, zuckrige Wolkenkratzer serviert werden. Beim Anschneiden gleitet das Messer mühelos hinein. Keine Knusprigkeit. Nur Luft, Creme, Ruhe.
In Taiwan wurde der Trend zu extrem weichen Leckereien mit gefüllten Mochi , Gelee-Tieren und Brötchen mit Schlagsahne auf die Spitze getrieben. Diese Süßigkeiten wollen nicht gekaut, sondern mit der Zunge verwöhnt werden.
Texturtherapie: Wenn Essen zum sozialen Beruhigungsmittel wird
Es geht nicht um den Zucker, sondern um die Konsistenz. In Asien ist das Konzept der Texturtherapie bereits etabliert. Der Verzehr von weichen, wabbeligen – wie etwa Weingummi – cremigen Speisen löst eine beruhigende Reaktion aus . Aus demselben Grund schauen sich Menschen auf TikTok Videos von Schleim, fallendem Sand und Seifenblasen an.
Es handelt sich um Mikro-Rituale der Entspannung . In einer lauten, schnelllebigen und visuell aggressiven Welt sucht das Gehirn nach weichen Oberflächen, langsamen Bewegungen und sanften Geräuschen.
Ein hüpfender Pfannkuchen ist beruhigender als ein perfekter Käsekuchen. Eine vibrierende, gallertartige Katze ist therapeutisch wirksamer als ein makelloses Éclair.
ASMR-Kultur und sanftes Leben: Süße als Inhalt, nicht als Essen
Diese Desserts sind so konzipiert, dass man sie filmen kann, bevor man sie überhaupt isst. Man schneidet den Teig an, und er „pufft“. Drückt man die Gelatine, „wackelt“ sie. Drückt man das Brötchen, fließt die Creme langsam heraus.
Es ist ASMR-Kultur, angewendet auf die Zubereitung von Gebäck.
Doch darunter verbirgt sich etwas Größeres: die Ästhetik des sanften Lebens . Helle Farben, abgerundete Formen, ruhige Rhythmen, visuelle Behaglichkeit. Es ist nicht nur ein Trend, sondern eine Antwort auf eine Zeit, die ständig nach Leistung, Geschwindigkeit und Lärm verlangt. Sich wie eine Wolke zu fühlen, ist ein Ausdruck von Lebensgefühl.

